Positive Psychologie und eine ausgewogene Work-life-balance

 

Die Positive Psychologie setzt - wissenschaftlich etwa seit Mitte der 90iger nachweisbar - auf die Stärken des menschlichen Gemüts und verläßt damit den "klassischen" Ansatzpunkt der psychologischen Forschung, der sich eher mit den Defiziten des Menschen und den "Abgründen der Seele"  beschäftigt und sich auf die Heilung psychischer Störungen sowie die Therapie von Mängeln spezialisiert hatte. Die neue Forschungsrichtung, die auf Ergebnisssen der Neurowissenschaften aufbaute, konnte nun nachweisen, dass sich Glück und Unglück im Leben von Menschen als zwei völlig unterschiedliche Systeme darstellen. Martin E.P. Seligmann nahm dies zum Anlass, einen neuen Zweig der Psychologie zu begründen und ihn Positive Psychologie zu nennen. Obwohl 70 Prozent der Menschen nie unter einer psychischen Krankheit leiden, sind sie nicht automatisch mit ihrem Leben zufrieden. Dazu Seligmann: "Die Abwesenheit von Depression ist nicht Glück, sondern Leere. Diese mit etwas Positivem zu füllen, ist eine Aufgabe der Positiven Psychologie".  Damit stellt dieser neue Forschungsbereich eine Verbindung zur ressourcenorientierten Humanistischen Psychologie und deren Therapieansatz her. Glück und Lebenszufriedenheit sind also in gewisser Weise machbar.

Die Positive Psychologie basiert auf drei Grundpfeilern

  • Sie ist auf das Positive im Leben des Menschen ausgerichtet, z.B. auf seine Stärken, Tugenden oder Ressourcen.
  • Sie hat den Anspruch einer wissenschaftlichen Fundierung.
  • Sie verfolgt das Ziel, positiv auf das Erleben und Verhalten im Alltag von Menschen zu wirken.

In diesem Zusammenhang wurde der Begriff des menschlichen Charakters in den Mittelpunkt der Betrachtungen gestellt. "Charakter bezieht sich auf jene Aspekte der Persönlichkeit, die moralisch geschätzt werden. Der Positiven Psychologie geht es mithin um solche Charaktereigenschaften, die im Zusammenhang mit Lebenszufriedenheit stehen." (Christopher Petersen). Anhand des Studiums von psychologischer, soziologischer, historischer, religiöser, philosophischer und ethischer Literatur konnten Wissenschaftler herausfinden, dass das menschliche Glück von drei Gesichtspunkten abhängt:

Drei Gesichtspunkte für menschliches Glück

  1. Engagement
  2. Lebenssinn
  3. Hedonismus (lustvolles Erleben)

Sieben Kriterien für menschliche Charakterstärken

Seligmann, M.E.P. und Petersen, C. (2003) nennen sieben Gesichtspunkte für eine menschlichen Eigenschaft, damit diese als menschliche Stärke bezeichnet werden kann.

  • Sie besitzt eine gewisse Stabilität über die Zeit und über Situationen.
  • Sie wird gefeiert, wenn vorhanden; ihr Fehlen wird hingegen beklagt.
  • Eltern versuchen, sie ihren Kindern zu vermitteln
  • In größeren Gesellschaften gibt es Institutionen und Rituale für ihre Kultivierung.
  • Rollenmodelle sind vorhanden.
  • Es gibt Ausnahmeerscheinungen, z.B. Kinder, die in Hinblick auf eine bestimmte Stärke ungewöhnlich weit entwickelt sind.
  • Sie wird in allen größeren Kulturen anerkannt.

Menschliche Charakterstärken sind durch obige Autoren in sechs Begriffsklassen eingeordnet worden, nachdem die Wissenschafter entdeckt hatten, dass in jeder Gesellschaft, ob bei den Eingeborenen in Papus-Neuguinea oder den Bürgern von New York, sechs stark ethisch geprägte Grundtugenden geschätzt werden. Diesen Grundtugenden ordneten die Wissenschaftler 24 Charakterstärken zu, die alle in einem engen Zusammenhang mit Lebenszufriedenheit stehen:

Die sechs Begriffsklassen der menschlichen Charakterstärken

  1. Wissen (Kreativität, Neugier, Urteilsvermögen, Liebe zum Lernen, Weisheit)
  2. Mut (Authentizität, Tapferkeit, Ausdauer, Enthusiasmus)
  3. Menschlichkeit ( Freundlichkeit, Bindungsfähigkeit, soziale Intelligenz)
  4. Gerechtigkeit (Fairness, Teamwork, Führungsvermögen)
  5. Mäßigung (Vergebungsbereitschaft, Bescheidenheit, Vorsicht, Selbstregulation)
  6. Transzendenz (Dankbarkeit, Hoffnung, Humor, Spiritualität, Sinn für das Schöne)

Eigene Charakterstärken für Work-life-balance nutzen

Im Business-Coaching als maßgeschneidertes Selbstmanagement-Training können nun diese menschlichen Charakterstärken gezielt in den Fokus genommen werden, indem der Klient sich selbst erst einmal über seine eigenen Ressourcen klar wird. Dies kann direkt erfolgen, indem sich der Betreffende bestimmte Charakterstärken aus der obigen Liste zuschreibt oder sich entsinnt, dass er durch andere Menschen diesbezüglich schon einmal eine Rückmeldung erhalten hat. Der Klärungsprozess kann auch indirekt erfolgen, indem wichtige Berufs- und Lebensereignisse des Klienten benannt werden und auch daraus seine Charakterstärken abzulesen werden können. Die Beschäftigung mit den eigenen Stärken unterstützt die Persönlichkeitsentwicklung und schlägt einen passenden Bogen zur eigenen Resilienz. Besonders gut eignet sich dafür auch das Coachingtool des Profiling-Net, einer Panoramamethode, die ich speziell für diesen Bereich entwickelt habe.

Bei Interesse nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf. Vielen Dank!

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